„Die Unsicherheit ist vorbei“

Die Wirtschaft wächst, die Unternehmen investieren wieder. Die Volksbank Oberösterreich freut sich in den ersten neun Monaten 2017 im Kreditbereich über acht Prozent Volumensteigerung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Vorstände Richard Ecker und Andreas Pirkelbauer im Gespräch über KMU-Finanzierung und Lerneffekte bei den Eigenkapitalvorschriften.

Die Volksbank versteht sich als KMU-Finanzierer, hat im Herbst 2016 die KMU-Milliarde ausgerufen. Welche Investitionen tätigen Unternehmen beim aktuellen Wirtschaftsaufschwung?

EckerDie Kunden haben sich in Zeiten der Unsicherheit drei Mal überlegt, ob sie investieren sollen oder nicht. Jetzt sehen wir, dass es von Ersatz- in Richtung Erweiterungsinvestitionen geht. Die Firmen sind wieder wesentlich besser ausgelastet, kommen an die Grenzen ihrer Produktionsmöglichkeiten und vergrößern den Maschinenpark. Teilweise sind dann auch bauliche Investitionen notwendig, um die Produktionsflächen erweitern zu können. Und: Gesteigerter Umsatz heißt auch gesteigerter Liquiditäts- und Finanzmittelbedarf, um den Umsatz vorfinanzieren zu können. Bei KMU mit ausländischem Hintergrund ist die Kreditnachfrage noch einmal deutlich höher, da die weltweite Konjunktur besser als in Zentral- und Mitteleuropa ist.

PirkelbauerUnsere Kernkompetenz liegt in der Betreuung von KMU mit bis zu rund fünfzig Millionen Euro Umsatz. Wir haben aber keine exakte Definition, betreuen auch größere Unternehmen – diese Kontakte sind teilweise aus historisch gewachsenen Kundenbeziehung entstanden. Die Betreuung dieser fällt uns aufgrund unserer jetzigen Größe nach der Fusion auch leichter.

Welche Kreditsummen wollen KMU nun im Schnitt?

PirkelbauerKreditsummen bewegen sich meistens zwischen einer und fünf Millionen Euro. Jetzt, wo die Unsicherheit vorbei ist, stellen Unternehmen sich aber auch mit dem zuvor aufgebauten Kapital vollkommen neu auf und da geht es dann schon mal in darüberliegende Beträge.

Die Volksbank lockt bei der KMU-Milliarde mit einem gestützten Zinssatz. Wie interessant ist dieser in der aktuellen Niedrigzinsphase für Kreditnehmer?

EckerWenn man eine gewisse Bonifikation bezogen auf das tiefere Zinsniveau hergibt, dann ist diese in Relation zu einer Phase mit höheren Zinssätzen sogar noch interessanter. Unabhängig davon, ob man im Zinsbereich vielleicht das ein oder andere Zehntel noch ausreizt, ist aber ein maßgeschneidertes Finanzierungspaket viel wichtiger. Ein individuelles Paket, das auf Zinssituation und Fördermöglichkeiten angepasst ist, bringt den Unternehmen deutlich mehr.

PirkelbauerGerade der Förderbereich ist mittlerweile zu einem sehr komplexen Thema geworden. Kunden im Kreditgeschäft brauchen einen Ansprechpartner. Und genau da ist unser USP, dass wir eine Beratungsbank sind und den Kunden bei ihren Entscheidungen beratend zur Seite stehen – wir haben nun in jeder Filiale einen Kommerzkundenberater. Nach der Fusion zur Volksbank OÖ sind wir groß genug, um die vollständige Finanzierung eines Unternehmens zu machen und haben gleichzeitig aber noch kurze Entscheidungswege. Entscheidungen bis zu einer Million Euro laufen über die Regionalleiter.

Basel III wurde immer wieder als Hemmnis für den Mittelstand genannt. Kann die Volksbank OÖ den Unternehmen die benötigten Kredite geben?

PirkelbauerDer Kreditvergabeprozess hat sich aufgrund der Basel-Bestimmungen in erster Linie in Hinblick auf den Aufwand verändert: Banken müssen sich viel intensiver mit Unternehmen beschäftigen und das sorgt dafür, dass Unternehmen immer wieder sagen, dass es komplizierter geworden sei, einen Kredit zu bekommen. Am Ende des Tages bekommen aber heute – genauso wie früher – gute Unternehmen einen Kredit und bei Bonitätsproblemen gibt es nach wie vor Probleme.

EckerEs haben beide Seiten dazu gelernt. Basel III haben wir im Griff, es funktioniert mittlerweile schon viel besser, als wir noch vor Jahren geglaubt haben. Es sind auch schon einige Jahre seit der Krise vergangen, Banken haben in der Zwischenzeit Geld verdient – das macht es auch einfacher. Die Kunden haben gelernt, dass wir gewisse Dokumentationen durchführen müssen und dafür bestimmte Informationen brauchen und umgekehrt haben wir unsere Prozesse optimiert und zeiteffektiver gestaltet. Da tun wir uns als Regionalbank auch leichter als eine Großbank, die ihre Kunden nur aus der EDV kennt. Basel IV ist aber noch in Diskussion und wird das Thema wieder erschweren und komplexer machen.

#Ähnliche Artikel

PR

Erfolgreich isst gut!

Martin Podobri liebt Herausforderungen – und gutes Essen. KGG und UBG unterstützen ihn finanziell beim Aufbau seines Jausenservices „Die Jausenmacher“.

Einmal durchstarten, bitte!

Erfolgreich gestartet. Erfolgreich am Markt gelandet. Und nun? Wachsen, expandieren – am Ball bleiben! Thomas und Maria Reischauer begleiten seit über 30 Jahren Start-ups und Unternehmen. Ihre Erfahrungen zu Strategien und Maßnahmen für ein erfolgreiches Wachstum vom Start-up zum Unternehmen.

11 Wege zum Startkapital

Ohne das nötige Kleingeld ist der Traum vom eigenen Start-up schnell ausgeträumt. Wir haben bei Andreas Mayrhofer, Bereichsleiter Geschäftskunden der Sparkasse Oberösterreich, nachgefragt, welche Möglichkeiten es für eine Start-up-Finanzierung gibt.

„Die Ansichten des Kunden sind keine heilige Kuh“

Ein guter Bankberater muss seinen Kunden kennen und ihm gelegentlich widersprechen, ist Hermann Wonnebauer überzeugt. Wieso Harmonie für ihn dennoch ein zentraler Wert ist, weshalb vermögende Kunden entspannter sind und warum er ein Kinderbuch geschrieben hat, erzählt der neue CEO der Zürcher Kantonalbank Österreich im Interview.

Die Musik der Zahlen

Als erste weibliche Vorstandsdirektorin in der 170-jährigen Geschichte der Sparkasse Oberösterreich hat Stefanie Christina Huber beruflich viel mit Zahlen zu tun. Was diese mit ihrer Leidenschaft für klassische Musik gemeinsam haben, wie sie für Harmonie in ihrem Team sorgt und welche Note sie in ihrer neuen Funktion hinterlassen will.

„Anfangs musste ich mich durchbeissen“

Andreas Mitterlehner ist seit vierzehn Jahren Generaldirektor der Hypo Oberösterreich. Im Gespräch lässt der 58-Jährige seine Gedanken über neue Gefahren für Banken, Kulturelemente in der Finanzwelt, nachgesagte Familienclans und Herausforderungen beim Berufseinstieg springen.

PR

Für gehobene Ansprüche

Private Banking. Wer Finanzvermögen auf- und ausbauen will, muss langfristig denken. Die Experten der VKB-Bank beraten dabei auf höchstem Niveau.

Urteil: Köstlich

Martin Oder ist seit 16 Jahren nicht mehr aus der Wirtschafts- und Unternehmensrechtskanzlei Haslinger / Nagele & Partner wegzudenken, Birgit Voglmayr hat sich in fünf Jahren von einer Praktikantin zur Partnerin hochgearbeitet. Die beiden Macher am Herd sind leidenschaftliche Hobbyköche und sprechen mit uns über die Parallelen von Küche und Kanzlei, neue Anforderungen des Berufsstands – und wie bei Hausdurchsuchungen improvisiert werden muss.

EU-Datenschutz: Drastische Verschärfungen ab Mai 2018

Am 25. Mai 2018 tritt eine drastische Verschärfung des Datenschutzrechtes, die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), in Kraft. Sie ist in Österreich unmittelbar anwendbar und sieht bei Verstößen Geldbußen von bis zu 20 Millionen Euro oder bis zu vier Prozent des weltweit erzielten Jahresumsatzes des vergangenen Geschäftsjahres vor.

„Nicht alles lässt sich planen“

Seit mehr als 30 Jahren ist Andreas Mitterlehner im Bankwesen tätig, die vergangenen dreizehn Jahre davon als Generaldirektor der Hypo Oberösterreich. Viele Höhen und manche Tiefen hat er in dieser Zeit miterlebt, die ihn persönlich geprägt haben. Dabei wäre es fast ganz anders gekommen.

Hoffnung für Frankenkreditnehmer

Rund 100.000 Haushalte in Österreich verfügen nach wie vor über Fremdwährungskredite (etwa 21 Milliarden Euro.) Viele versuchten bereits, gegen Beratungsfehler vorzugehen – meist mit überschaubarem Erfolg. Ein aktuelles Urteil des Handelsgerichtes Wien macht nun vielen Kreditnehmern doch wieder Hoffnung.

Money, Money, Money ...

„... must be funny. In the rich man’s world!“ Sang die schwedische Popgruppe ABBA vor gut 40 Jahren. Doch was soll man mit seinem Geld in der extremen Niedrigzinsphase tun? Verschiedene Experten von Banken und privaten Vermögensberatungen geben Tipps. Als Anhaltspunkt dienen drei Personen mit unterschiedlich hohen Geldsummen.

PR

Wie finanziert man Innovationen?

Zum Beispiel mit dem OÖ Hightechfonds, der bis zu 1,5 Millionen Euro an Eigenkapital vergibt. Fondsmanager Christian Matzinger verrät, wie man zu einer solchen Unterstützung kommt.

PR

Leistbares Wohnen als Immobilieninvestment

Leistbares Wohnen ist in aller Munde, die Realisierung in der Praxis aber ohne massive öffentliche Förderungen nahezu unmöglich. Nicht so für den Leondinger Bauträger wert.bau. Mit dem „all-in99“-Konzept für Vorsorgewohnungen hat dieser ein innovatives Modell entwickelt, das leistbares Wohnen auch ohne öffentliche Mittel ermöglicht und für Investoren langfristig attraktive Renditen verspricht.

Here we go!

Da wäre also mal die echt gute Idee. Der Mut. Das Vorhaben. Aber wie startet man durch? Egal aus welcher Situation heraus gegründet wird, am Anfang der Selbstständigkeit sollte eine gute Organisation stehen. Alexander Stockinger vom Gründerservice der WKOÖ und Daniela Mair-Köck von der Kreditgarantiegesellschaft und Unternehmensbeteiligungsgesellschaft KGG/UBG über verschiedene Gründungsmöglichkeiten, Geschäftsmodelle und den Sinn von Business- und Finanzplänen in der frühen Gründungsphase.

„Gar nicht so einfach wie vorgestellt“

Am Anfang war die Idee. Doch von der Idee bis zum funktionierenden Unternehmen ist es ein weiter Weg. Unternehmensgründer würden das in der anfänglichen Euphorie häufig vergessen, weiß Christoph Harrer, Partner und Standortleiter des Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen TPA in Linz. Zehn Punkte vom Steuerberater, an die Gründer denken sollten.