Was denken andere über Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer?

Es allen recht zu machen, gelingt wohl niemandem im Leben. Einem Politiker schon gar nicht. Wenn er Entscheidungen trifft, dann gibt es immer Menschen, die damit nicht zufrieden sind. Landeshauptmann Thomas Stelzer kennt das. So vielfältig die Landschaft von Oberösterreich ist, so vielfältig sind auch die Interessen und Bedürfnisse der Bevölkerung hier. Einige davon – Wegbegleiter genauso wie Menschen, die er noch nie persönlich getroffen hat – haben wir darum gebeten zu erzählen, was sie über ihn und seine Entscheidungen denken. Und was sie ihn immer schon fragen wollten.

Ein sonniger Mittwochnachmittag. Mit ebensolchem Gemüt führt Thomas Stelzer in sein Regierungsbüro. Schön ist es hier. Sehr schön. Und sehr aufgeräumt. Kein Bleistift liegt herum, kein Zettel könnte Einblick in brisante Themen gewähren. So stellt man sich das Büro eines Musterschülers vor. Und als dieser wurde er ja auch bezeichnet, als er vor zwei Jahren zum Landeshauptmann in Oberösterreich angelobt wurde. Er liebe seinen Job, obwohl er alles andere als einfach sei: „Die Entscheidungen eines Politikers erfährt man durch die Medien“, sagt Stelzer. „Das ist dann die Wahrheit, die für die Leute gilt. Meine Arbeit wird also immer durch die Brille eines Journalisten dargestellt.“ Aber darauf müsse man sich eben einstellen, fügt er schmunzelnd hinzu.

Dass nicht immer alle begeistert von den Entscheidungen sind, die er als oberster Verantwortlicher des Landes trifft, sei ihm klar. „Aber ich glaube, es wird grundsätzlich von allen geschätzt, dass Fragen gelöst und entschieden werden – das Schlimmste ist, wenn Fragen unbeantwortet liegen bleiben und immer wieder hinausgezögert werden.“

Er hält sein Wort. Denn sämtliche Fragen, die wir ihm von seinen mehr oder weniger kritischen Beobachtern mit unterschiedlichsten Interessen stellen, beantwortet er prompt.

Markus Poschner

Chefdirigent, Bruckner Orchester

Was ich über ihn denke.

Welchen Eindruck haben Sie von Thomas Stelzer? _Wir müssen uns als Künstler wie als Politiker unserer gesellschaftlichen Verantwortung stets bewusst sein, nur gemeinsam können wir wirklich etwas bewegen. Es muss offene und ständige Gespräche wie hier in Oberösterreich geben dürfen. Im Gespräch mit Thomas Stelzer geht es ja sofort immer um so große Themen wie Identität, Lebensqualität und Zukunft. Genau da schlägt auch mein Herz als Künstler, daher fällt es uns beiden nicht schwer, uns sofort zu vertiefen. Auch ein Landeshauptmann dirigiert – wo könnte sich Thomas Stelzer von Ihnen etwas abschauen? _An der Garderobe – Kabinettssitzungen im Frack und Abendkleid würden Redebeiträge auf ein Minimum reduzieren und die Konzentration und Effizienz bei Diskussionen auf ein Maximum anheben. Haltung ist eben alles. Hat er Taktgefühl? _Selbstverständlich. Ein gemeinsamer Walzer steht aber noch aus (lacht).

Was ich ihn immer schon fragen wollte.

Poschner_Die Politik lebt vom Kompromiss, die Kunst von der Kompromisslosigkeit. Wie gerne würden Sie manchmal in meinen Bereich überlaufen?

Stelzer_(lacht) Ich bin sehr gerne Landeshauptmann, darum möchte ich nirgends anders hin überlaufen. Aber ich beneide Markus Poschner schon sehr um seine Berufung, weil mit Musik zu leben, ist auch für mich etwas sehr Schönes und Bereicherndes. Allerdings hätte er wohl keine Freude mit mir, wenn ich ans Pult des Brucknerorchesters treten würde.

„Wir müssen uns als Künstler wie als Politiker unserer gesellschaftlichen Verantwortung stets bewusst sein.“

Markus Poschner Chefdirigent, Bruckner Orchester

Jakob Ebner

sein ehemaliger Deutschprofessor am Kollegium Aloisianum

Was ich über ihn denke.

Hand aufs Herz: Hätten Sie ihm damals als sein Lehrer zugetraut, dass er jemals Landeshauptmann wird? _Aufgrund seiner Fähigkeiten durchaus. Er hat aber nicht den Eindruck gemacht, dass er diesbezüglich große Ambitionen hätte. Stelzer war ein guter, ausgeglichener, angenehmer Schüler, der in Ruhe seine Arbeiten erledigt hat. Er war aber niemand, der sich dabei irrsinnig profiliert hätte. Welche Laufbahn er einmal einschlagen würde, hätte ich damals nicht sagen können. Er war für jede Aufgabe geeignet, aber Jus hat sicher zu ihm gepasst. Ein lustiges Bonmot: Bei einer Theateraufführung von „Leonce und Lena“ von Georg Büchner spielte Thomas Stelzer die Rolle des Präsidenten des Staatsrates. Angenommen, Sie hätten heute noch die Möglichkeit, Stelzer ins Klassenbuch einzutragen. Gibt es Entscheidungen von ihm, mit denen Sie gar nicht einverstanden sind? _Eine andere Koalition hätte ich mir schon gewünscht, aber das ist wohl dem Druck der Verhältnisse und dem Wahlergebnis geschuldet, dass ihm nichts anderes übriggeblieben ist.

Was ich ihn immer schon fragen wollte.

Ebner_Wie haben Sie von der Schule profitiert – direkt oder indirekt?

Stelzer_Sehr! Ich bin immer gerne in die Schule gegangen. Ich bekam ein vielfältiges Rüstzeug mit, von dem ich heute noch zehre.

„Bei einer Theateraufführung von ,Leonce und Lena‘ von Georg Büchner spielte Thomas Stelzer die Rolle des Präsidenten des Staatsrates.“

Jakob Ebner sein ehemaliger Deutschprofessor am Kollegium Aloisianum

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