America First. Austria Second.

Es sind nicht viele Österreicher, die die weite Reise zum „South by Southwest“ (SXSW) Mitte März in Austin, Texas, auf sich genommen haben. Schade eigentlich. Die Veranstaltung ist jedes Jahr für zwei Wochen das weltweite Zentrum der Kreativwirtschaft, Digitalisierung und Innovation. Hunderttausende Menschen kommen aus der ganzen Welt. Darunter: die drei österreichischen Start-ups Butleroy, Fretello und Newsadoo.

Ausgelassene Stimmung auf den Straßen, kleine und große Konzerte, überall Häuser und Areale, die von den großen Tech-Firmen zwischenzeitlich gemietet und zum eigenen Kunden- und Innovationszentrum umgebaut werden, und gleich mehrere Konferenzen zur gleichen Zeit: Musik, Film und interaktive Medien. Die ganze Stadt ist eingenommen von den innovativsten Unternehmen der Welt. Und die zeigen, was sie haben, und wollen sehen, was sich sonst noch tut.

Austria? Wow!

Austin ist stolz darauf, Unesco City of Media Arts zu sein. Und zelebriert jedes Jahr seinen Anspruch darauf, das kreativwirtschaftliche Zentrum der Welt zu sein. Unesco City of Media Arts – schon mal gehört? Richtig, da war doch was. Auch Linz ist Unesco City of Media Arts und muss sich mit dem Ars Electronica und der wachsenden Kreativwirtschaft nicht verstecken. Trotzdem werden hierzulande kleinere Brötchen gebacken. Die „Creative Region Linz & Upper Austria“ versucht aber der Welt zu zeigen, dass Österreich, Oberösterreich und speziell Linz, auch ein innovatives, kreativwirtschaftliches Zentrum ist. Die gleichnamige von Patrick Bartos geführte Institution hat in einer Partnerschaft mit Austin bereits zum dritten Mal die besten heimischen Projekte gecastet und ist mit ihnen in die USA geflogen, um Österreich beim SXSW zu vertreten. Die Start-ups Butleroy, Fretello und Newsadoo wurden ausgewählt. „Hier trifft man einfach gleich die Entscheider. Unsere hoffnungsvollsten Start-ups aus der Kreativwirtschaft sollen sich hier präsentieren können und weltweite Kontakte knüpfen. Fretello hat beispielsweise hier den Durchbruch in der Musikindustrie geschafft, indem sie mit den richtigen Leuten von Sony Music aus Los Angeles in Kontakt kamen, sie vom Projekt überzeugen konnten und sofort von ihnen unterstützt wurden“, beschreibt Georg Tremetzberger von der Creative Region Linz & Upper Austria, wie einfach Dinge auf einmal sein können, die vorher unmöglich schienen. Die Fretello-

Gründer Wolfgang Damm und Florian Lettner kennen ein typisch österreichisches Dilemma nur zu gut: „In Österreich wird man als Projekt aus Österreich meist nicht gleich ernst genommen. Die heimische Musikindustrie hat nicht einmal richtig zugehört, denn zu unwahrscheinlich scheint es, dass ein heimisches Projekt sich international durchsetzen könnte. In Amerika heißt es aber ‚WOW – you come from Austria? Amazing! Tell me more!’ Man wird ernst genommen, die Technologie wird gleich hinterfragt, man ist mittendrin – auf Augenhöhe.“

Newsadoo berichtet von ähnlichen Erlebnissen: Tolle Gespräche mit internationalen Top-Unternehmen wie der BBC, Washington Post, Bloomberg, MIT, ZDF, AFP (Agence France-Presse) und vielen weiteren – ein großes Netzwerk, das mittlerweile in Europa und der Welt geschaffen wurde, internationale Medienberichte, Kooperationen mit großen Verlagen. Aber am schwierigsten ist es in Österreich, wo Projekte aus Berlin, London oder anderen Weltstädten zu Beginn einfach mehr Respekt erhalten. „Wir haben von Anfang an eine klare Philosophie verfolgt. Ein europäisches und internationales News-Ecosystem kann man nicht in Österreich schaffen. Uns war klar, dass wir gleich hinaus in die Welt müssen. Und wir haben schnell gemerkt, dass der Glaube daran, dass wir das schaffen können, überall in der Welt größer ist als in Österreich – es war eine tolle Erfahrung. Dass unsere Künstliche Intelligenz international führend ist im Medienbereich, das glauben in Österreich einfach nur wenige. Oder dass wir vom Geschäftsmodell, der Marktkenntnis oder der Produktentwicklung wirklich gut sind im internationalen Vergleich. In Österreich machen es sich viele oft einfach und denken, da müsse es ja in anderen Ländern bessere geben als ein Projekt aus Linz und sehen gar nicht so genau hin. International sieht das ganz anders aus. Also haben wir einfach mit einem Augenzwinkern den zweifelhaften Slogan für uns umgedeutet: America

First. Austria Second. Oder: Europe First. Austria Second. Mit dem Respekt, den wir uns international erarbeitet haben, wird es jetzt auch in Österreich einfacher“, erzählen Johannes Knierzinger und David Böhm von den Erfahrungen der zahlreichen Reisen beispielsweise nach London, Helsinki, Berlin, Amsterdam, München und nun Austin, Texas, im vergangenen halben Jahr. „Wir sind nun global in etwa 20 Ländern mit Newsadoo online und haben Partnerverträge mit über 100 Medien aus der ganzen Welt abgeschlossen. Und das, obwohl wir zuvor überhaupt kein internationales Netzwerk hatten und noch nie in einem anderen Land tätig waren. Wir wurden und werden vom Exportcenter OÖ, der Wirtschaftskammer OÖ, dem Außenwirtschaft Austria, der Jungen Wirtschaft, der aws Austria Wirtschaftsservice, i2 Businessangelbörse, FFG und nun der Creative Region Linz & Upper Austria großartig unterstützt. Nur so haben wir uns in nur sechs Monaten in so vielen Regionen der Welt präsentieren und Tempo aufnehmen können.“

Mit dem Respekt, den wir uns international erarbeitet haben, wird es jetzt auch in Österreich einfacher.

Johannes Knierzinger Head of Communication and Partner Management, Newsadoo

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