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Gleiches Recht, gleiche Chancen?

Gleiches Recht, gleiche Chancen?

Autos können bei Bedarf behindertengerecht entworfen werden, als Zusatz für Treppen werden Rollstuhlrampen und Aufzüge gebaut, und auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln achtet man zunehmend auf barrierefreie Zugänge. Aber wie mobil sind Menschen mit Beeinträchtigung im Berufsleben? Wie aktuelle Zahlen der Caritas zeigen, herrscht in Österreich auf dem Weg zum inklusiven Arbeitsmarkt noch jede Menge Luft nach oben.

Inklusion ist ein großes Schlagwort. Vor allem deshalb, weil sich die Frage nach ihrer Umsetzung über so viele gesellschaftliche Bereiche erstreckt. Angefangen bei alltäglichen Dingen, zieht sich das Thema auch als große Herausforderung durch das Bildungswesen und nicht zuletzt durch das Berufsleben. In Letzterem sind viele der Betroffenen nach wie vor weit davon entfernt, endlich angemessen anzukommen. „Für Menschen mit Behinderungen ist es unmöglich oder ein echter Kraftakt, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen“, bemängelt Michael Landau, Präsident der Caritas Österreich. Aktuell liegt die Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Behinderungen viel höher als die durchschnittliche Arbeitslosenrate. „Im Hinblick auf einen inklusiven Arbeitsmarkt hat Österreich noch viele Hindernisse abzubauen“, ist Landau anlässlich der Ergebnisse einer Caritas-Umfrage überzeugt.

Auf der anderen Seite sucht man im ganzen Land händeringend nach (Fach-)Kräften, fischt aber offensichtlich nicht im ganzen Teich. Dabei könnten es sich immerhin 60 Prozent der Menschen mit Beeinträchtigung vorstellen, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen – vier von zehn sogar ganz konkret. „Besonders junge Menschen unter 30 Jahren sind offen für einen Wechsel“, bestätigt Barbara Schiller, Leiterin der Fähigkeitsorientierten Aktivitäten für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen der Caritas Oberösterreich. Das Problem? Für viele von ihnen ist der Arbeitsmarkt etwas Unbekanntes, etwas Fremdes. Zwei Drittel der Befragten gaben an, nicht über die möglichen Vorteile Bescheid zu wissen, die ein Job am ersten Arbeitsmarkt mit sich brächte. Während den einen ihre Anstellung in einer Werkstätte Sicherheit bietet, erleben wiederum andere diese als soziale Sackgasse. Das sogenannte „Taschengeld“ ist nur ein Bruchteil des üblichen Lohnniveaus in Österreich, wodurch die Betroffenen zwangsläufig auf Sozialhilfen angewiesen sind.

Gerechtigkeit, statt Gleichheit

Sich aus diesem Dilemma zu befreien, bedeutet in den meisten Fällen, eine Entweder-Oder-Entscheidung treffen zu müssen. Am Ende des Tages geht es aber nicht um schwarz oder weiß, also nicht nur um „Werkstätte mit Zuschüssen“ oder „Vollzeitjob ohne Beihilfen“. Stattdessen könnten zukunftsfähige Mischformen eine Antwort auf die bisherige Diskriminierung sein, da sich dank ihnen echte Chancengerechtigkeit schaffen ließe, statt nur auf die gewohnte Chancengleichheit zu beharren.

Voraussetzung dafür sei ein ausreichendes Angebot an Unterstützung, so Landau. „Ankerpunkte wie menschliche Begleitung, ein hilfsbereites Umfeld und die Reduktion von Arbeits- und Zeitdruck sind hier auch die Gründe für die hohe Zufriedenheit von Menschen, die aktuell in Tagesstrukturen arbeiten“, nennt der Experte als Beispiele. Auch die geschützte Rückkehr, um sich einfach mal auszuprobieren, sei ein wichtiger Aspekt. „Ein Inklusionsfonds, der von Bund und Ländern gemeinsam befüllt wird, und über welchen Angebote für Menschen mit Behinderungen nach gleichen Standards bundesweit finanziert werden – das wäre ein Weg zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“, schlägt Landau vor. Denn ein gelungenes Miteinander wird auf Dauer nicht in Parallelwelten funktionieren, sondern erst wenn man dieses als inklusiv versteht.

Hier geht‘s direkt zu den Umfrageergebnissen.