Spinnst du?

Alles wird schnelllebiger. Die Zukunft unberechenbarer. Die Konkurrenz durch die Globalisierung und
 das Internet immer größer. Viele Produkte sind 1:1 austauschbar. Der Preisdruck ist in vielen Branchen allgegenwärtig – alles muss billiger werden. Doch ist es tatsächlich nur der Preis, womit man sich heute noch differenzieren kann? Nein. Es gibt sie, die Individualisten, die unbeirrt ihr Ding durchziehen. Die sich "nichts pfeifen". Die den Sager "das machen wir schon immer so" verabscheuen. Querdenker und Visionäre – sie werden wieder mehr. Normal war gestern. Erfolgsgeheimnis Individualismus.

Behutsam leert Hotelier Sepp Greil einen Schluck Chablis aus einem riesigen geschwungenen Dekanter in ein Burgunder Grand Cru Glas der Riedel Sommelier-Serie und reicht es in die Runde. 90 Euro kostet das Glas – es ist also Vorsicht geboten. Derart hochwertige und teure Gläser sind in der Gastronomie normalerweise so gut wie nicht zu finden. Greil ist das egal. Er ist nicht nur Weinliebhaber, sondern auch Mitglied der Weinritter, einem 1333 erstmals gegründeten Orden, der den Wein als Teil der europäischen Kultur und Identität bewahren will. Kein Wunder also, dass Greil nicht nur selbst die besten Weine aus den besten Gläsern trinken will, er könnte auch seinen Gästen nichts anderes zumuten. Über 700 mundgeblasene und 18 Rebsorten Gläser sowie circa 30 Dekanter gehören zum Inventar des Hotels. Wirtschaftlich ist das nicht, aber es ist seine Philosophie und Überzeugung, die er lebt. Ein verrückter Querdenker, der sich ständig etwas Neues einfallen lässt. Unkonventionell, aber nie zum Nachteil seiner Gäste.

Die Kultur, dass Menschen etwas Neues ausprobieren und eigene Ideen umsetzen wollen, wächst. Nicht nur Unternehmer, sondern auch Angestellte möchten sich wieder mehr entfalten. Verena Muntschick, Zukunftsforscherin beim Zukunftsinstitut erklärt: „Menschen werden nicht mehr in bestimmte Verhältnisse hineingeboren und dadurch beschränkt.“ Zukunftsforscher beobachten den Megatrend Individualisierung schon mehrere Jahrzehnte, in jüngster Zeit wird als Subtrend eine neue Wir-Kultur beobachtet. „Es werden neue Gemeinschaften gebildet, die nicht mehr so zwangsläufig sind“, so Muntschick. Man sei etwa nicht mehr sein ganzes Leben lang bei einem Verein, sondern ist flexibler und individueller. „Wenn man keine Lust mehr darauf hat, dann wechselt man zu einem anderen.“

Lebenslauf in Schlangenlinie

Durch den Trend der Individualisierung entstehen verschiedene Lebensstile. Ausbildung, Karriere, Hochzeit, Kinder, Beruf, Pension, Tod. Solch einen klassischen Lebenslauf gibt es immer seltener. Biografien verwandeln sich in Multigrafien. Lebensläufe verlaufen nicht mehr gerade, sondern in Schlangenlinien oder Schleifen. Ein gutes Beispiel dafür ist Sepp Peninger. Der 66-jährige Mühlviertler baut sich als anerkannter Steuerexperte eine eigene Steuerberatungskanzlei mit zahlreichen Mitarbeitern auf. Mit Erfolg. Doch irgendwann hat er genug. Anstatt sich in die Pension zu retten, verkauft er sein Unternehmen und beginnt, Alpakas zu züchten.

„Spinnst du? Warum machst du dir jetzt noch so viel Arbeit?“, waren häufige Reaktionen von Bekannten.

Das Wort Individualität kann man aus dem Lateinischen mit „Ungeteiltheit“ übersetzen und bedeutet, dass der Mensch in seiner Gesamtheit ungeteilt einzigartig ist. Damit impliziere der Begriff auch eine Trennung und Teilung von anderen, erklärt David Oberreiter, Psychiater und Psychotherapeut und interimistischer Leiter des Instituts für Psychotherapie in der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg in Linz: „Der Mensch versucht im Spannungsfeld einerseits seine einzigartige Individualität zu leben und andererseits die Sehnsucht nach Gemeinschaft zu befriedigen.“ Individualität werde negativ, wenn man den Blickwinkel auf die anderen und den Bezug zur Gesellschaft verliert. In der Gesellschaft herrscht oft dieses Bild. Architektin und Künstlerin Isa Stein spricht von „der Kehrseite der Individualität“: „Man sagt zwar, es ist positiv, dass man seinen eigenen Weg geht, aber auf der anderen Seite klingt das auch nach Einzelkämpfer, ignorant und egoistisch zu sein.“

Zwang zum Individualismus

Eine totale Individualisierung wäre auch unmöglich, so Jugendkulturforscher Philipp Ikrath. Der Mensch sei ein soziales Wesen und brauche etwas, woran er sich orientieren kann – die einen mehr, die anderen weniger. Als Faustregel gilt: „Je höher Leute gebildet sind, desto skeptischer sind sie gegenüber Strukturen und Hierarchien.“ Weil die Individualisierung solch ein großer gesellschaftlicher Trend sei, fühlen sich Leute häufig gezwungen, individuell zu sein. Jeder sucht nach einem USP, um sich abzuheben. Damit stelle sich aber gleichzeitig die Frage, wie individuell dann der Einzelne wirklich noch ist, sind sich Ikrath und Judith Igelsböck, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik an der Johannes Kepler Universität (JKU) in Linz, einig. Es gebe auch sehr kritische Ansätze im Bezug auf Individualisierung von Arbeitsbedingungen, so Igelsböck. Sie nennt als Beispiele, dass die Beschäftigten immer mehr Verantwortung tragen, flexibler in Bezug auf die Arbeitszeit sein müssen und dadurch mehr Leistung erbringen sollen.

Richtig gelebte und dementsprechend unter den einzelnen Menschen geförderte Individualität kann aber für unterschiedliche Problemstellungen sehr unkonventionelle Lösungsansätze hervorbringen, sind sich Oberreiter und Genetiker Markus Hengstschläger einig. Innovative Ideen werden gerade in der jetzigen Zeit immer wichtiger. „Die Wirtschaft wird immer schnelllebiger. Jede dritte Berufsgruppe, die es in zwanzig Jahren geben wird, kennen wir heute noch nicht, die müssen von den Menschen erst kreiert werden“, sagt Hengstschläger und fordert mehr Peaks und Freaks, um die Wirtschaft vorantreiben zu können.

Extra Mile

Hengstschläger vergleicht die unvorhersehbare Zukunft mit einem Turnsaal. Wenn man weiß, wo die Bälle hinfallen, wird man alle Kinder dort hinstellen. Wenn man aber nicht weiß, wo die Bälle landen werden – und genau dieser Anteil wird in der Wirtschaft immer größer – dann ist es die beste Strategie, die Kinder an möglichst vielen verschiedene Stellen zu platzieren. „So hat man die höchstmögliche mathematische Wahrscheinlichkeit, dass jemand einen Ball fängt.“ Derjenige, der auf die richtige Verteilung der Kinder im Turnsaal achtet, ist mit dem Management in der Wirtschaft zu vergleichen. Wenn die Kinder kein Team bilden und nicht darauf achten, wo die an- deren stehen, wird es ebenfalls nicht funktionieren. Daher brauchen Individualisten laut Hengstschläger zwei Eigenschaften: Erstens eine hohe intrapersonale Intelligenz, damit man sich seinen Stärken und Schwächen bewusst wird und seine Kernkompetenz aufbauen kann. Zweitens eine hohe interpersonale Intelligenz, eine soziale Kompetenz: „Es müssen sich Leute mit unterschiedlichen Fähigkeiten zu einem Team zusammenschließen.“

Neben den beiden Eigenschaften müssen Individualisten, die erfolgreich sein wollen, eine „extra mile“ gehen: „Es reicht nicht, wenn man so viel macht, wie alle anderen auch. Wenn man Erfolg haben will, muss man mehr machen.“ Dazu gehöre auch, dass man bereit ist, Fehler zu machen und davon zu lernen. Rückschläge sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu den Besten. Davon spricht auch Daniela Hochmuth, Profi-Snowboarderin und Aktivistin, aus Erfahrung: „Ich bin schon mehrmals ordentlich auf die Nase gefallen.“ Die 26-Jährige hatte schwere Unfälle beim Snowboarden. Einmal gab sie kurz zuvor einen hoch dotierten und angesehenen Job in der Schweiz auf: „Da bin ich in ein großes Loch gefallen.“ Sie hat sich aber wieder aufgerappelt und resümiert: „Wir hängen uns an Handicaps und nützen unsere Energie, um die Situation noch schlechter zu machen, anstatt darüber zu stehen und unsere Energie für bewältigbare Projekte einzusetzen.“

Die Experten sind sich großteils einig – der Megatrend Individualisierung wird noch deutlich spürbarer werden. Die Zeit des Mitschwimmens mit der Masse ist in vielen Branchen vorbei – derartige Branchen wo das möglich war, funktionieren immer schlechter. Den Spinnern, Querdenkern und Visionären gehört die Zukunft. Lassen wir uns überraschen.

Sepp Greil, 50 Jahre

HOTEL „DER GREIL“, SÖLL IN TIROL / WILDER KAISER

Der Hotelier Sepp Greil könnte noch viel mehr Zimmer vermieten. Doch anstatt sein kleines 4-Stern Hotel zu vergrößern und daraus Profit zu schlagen, investiert er ausschließlich in die Qualität. Aufs Dach kommt eine zusätzliche Panoramaterrasse mit Whirlpool, aus zwei Suiten baut er eine "stille Alm" mit Wasserbetten und offenem Kamin. Koch Reini bekommt alle Freiheiten, um vom Hummer über frischen Thunfisch und Austern die teuersten Spezialitäten einzukaufen und im Rahmen der Halbpension zu servieren. Barchef Heribert ist als Diplomsommelier immer auf der Suche nach Wein- und Spirituosen-Raritäten – ganz zu schweigen von der Weinglas-Kultur, seinem Spezialgebiet. Kürzlich präsentierte er eine neue Idee: die weltweit erste Wein-Glas-Karte. Sie liefert zu allen im Hotel erhältlichen Weinen eine Beschreibung des perfekten Glases mit. So soll sich der Wein bestmöglich entfalten.

Greil setzt ohne Kompromisse auf Qualität und Persönlichkeit. "Der Urlaub ist die kostbarste Zeit im Jahr, da geht es nicht um 100 Euro mehr oder weniger, sondern darum, die beste Qualität in einem gemütlichen und entspannten Umfeld zu bekommen. Es gibt viele 5-Sterne Hotels, sauteuer, saugut aber auch total steif und unpersönlich“, sagt Greil. Da würde man nicht entspannen. Es geht ihm um die Menschen, um Ehrlichkeit, um Gemütlichkeit. „Und wenn man dann an einem Abend mal ein Glas zu viel trinkt, weil es so gesellig war, dann ist das auch gut – nach einem harten Arbeitsjahr hat man sich das verdient“, sagt er.

Man kennt Sepp Greil in der ganzen Region – in den Medien wurde er schon als "Asterix der Alpen" bezeichnet. Der Tourismusverband ist nicht immer glücklich mit ihm – er kocht einfach immer seine eigene Suppe. Als er vor rund zehn Jahren versucht, auf den Punkt zu bringen, was ihn und sein
Hotel auszeichnet, verzweifelt er fast. Keine Agentur kapiert, worum es ihm geht – Ehrlichkeit, Bodenständigkeit, Persönlichkeit, Qualität. Doch dann ein Geistesblitz von ihm und Partner Andreas Unterlechner aus dem Pillerseetal: "Mit Tiroler Herzblut". Aus dem neuen Slogan wird schnell eine Marke, aus der Marke ein Hotelverbund. Sie nehmen vergleichbare Betriebe in das Netzwerk auf, und geben dem Kind einen Namen. In Deutschland ist die Marke weithin bekannt. Mittlerweile haben sich auch zahlreiche Almhütten der Herzblut-Gruppe angeschlossen. Es gibt ein Produktsortiment vom Herzblut-Schnaps bis zum eigenen Herzblut-Goldschmuck.

Mit Gold machte Greil schon einmal Schlagzeilen: Kitzbühel, 20 Autominuten von Söll entfernt. Bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung wird eine zwei Meter große goldene Gams vom Kitzbüheler Hahnenkamm-Jubiläum versteigert. Auch Greil und Unterlechner sind eingeladen. Als die Versteigerung losgeht,
ist die Stimmung bereits ausgelassen. Russen bieten für die Skulptur aus Gold, dann Engländer, dann ein Deutscher. „Was geht denn hier ab“, denkt sich Greil,

„wir können doch die Gams nicht ins Ausland verkaufen“. Völlig unüberlegt aus einer Laune heraus hebt er die Hand. Als er dann tatsächlich den Zuschlag für 32.000 Euro bekommt, vergeht ihm kurz das Lachen. Was tun mit der goldenen Gams? Mittlerweile ist sie ein Stück Greil-Geschichte. Unzählige Promis haben darauf in seiner Tiroler Stube unterschrieben – sie wollten den Hotelier kennenlernen, als sie in der Gegend waren.

Wie bei der Auktion ist bei Greil nicht alles überlegt, sondern vieles impulsiv aus dem Bauch heraus entschieden. Er ist überzeugt, dass das der richtige Weg ist. Eine Sache hat er sich aber gut überlegt: Sonderangebote lehnt er
ab. "Ich sitze lieber mal in der Nebensaison mit 20 zufriedenen Gästen in der Stube, wo jeder weiß, dass er den besten, weil gleichen Preis bekommen hat, als dass ich das Haus über Diskont-Reiseveranstalter zu Billigpreisen anfüllen lasse“, sagt er. Schleuderpreise in der Nebensaison? Für ihn undenkbar. Greil:

„Die Qualität hat ihren Preis, ich hab nichts zu verschenken, im Vergleich zu Top-Hotels in Ischgl, Kitzbühel oder Saalbach sind wir ohnehin spottbillig. Wem es das nicht Wert ist, der soll woanders hinfahren“.

Daniela Hochmuth, 26 Jahre

PROFI-SNOWBOARDERIN UND AKTIVISTIN

Weltreisende, Näherin, Flugbegleiterin, Bekleidungsentwicklerin, Profi-Snowboarderin, Umweltaktivistin – der Lebenslauf von Daniela Hochmuth
 aus Vorchdorf im Bezirk Gmunden, kann sich bereits mit 26 Jahren sehen lassen. „Ich habe Optionen einfach genützt, ohne groß zu überlegen“, erinnert sich Hochmuth. Ein Beispiel dafür ist das Snowboarden: Mit 15 Jahren lernt sie den Sohn vom Landeskader-Trainer zufällig bei einem Maturaball kennen, mittlerweile ist sie auf Platz zwölf beim Freeride Snowboarden in der Weltwertung. Ihre Leidenschaft für den Sport hat sie auch auf ihrem Körper verewigt: „Ich habe mir für jedes Land, wo ich Snowboarden war, eine Schneeflocke tätowieren lassen.“

Bereits ihre Maturaarbeit schreibt sie über Sportbekleidung, mit 21 Jahren beginnt sie ihre berufliche Laufbahn in der Bekleidungsindustrie bei Intersport Eybl. Nach eineinhalb Jahren ist Hochmuth in ihrem Job nicht mehr zufrieden. Durch ihren damaligen Freund aus Zürich, den sie beim Reisen in Rumänien kennen gelernt hat, wird sie auf einen Produktmanagement-Master in der Schweiz aufmerksam. „Ich habe innerhalb von zwei Monaten den Job gekündigt und bin in die Schweiz gezogen.“ Sie arbeitet neben dem Studium bei Mammut Sports in der Entwicklung. Nach einiger Zeit war sie aber wiederum unzufrieden: „Als Querdenkerin und kreativer Kopf war es nahezu unmöglich für mich, als letztes Glied in der Entwicklungskette viele Entscheidungen einfach zu akzeptieren.“ Hochmuth kündigt, schließt das Studium ab und konzentriert sich voll auf das Snowboarden.

Die 26-Jährige bindet sich nicht gerne für längere Zeit. Doch das könnte sich nun ändern: Im März hat sie „die perfekte Ergänzung“ zum Snowboarden gefunden – mit dem gemeinnützigen Verein Protect our Winters Austria. 2007 wurde die Mutterorganisation in Amerika gegründet, um Menschen im Kampf gegen Klimawandel zu mobilisieren. Hochmuth baut den Verein nun mit einem Freund in Österreich auf und steckt ihre „ganze Energie“ hinein: „Wir zeigen nicht mit dem Finger auf Leute, uns ist es wichtig, einen Konsens zu finden und zu zeigen, dass wir ein gewaltiges Problem haben.“ Die Arbeit „ist purer Idealismus, wir haben bisher alles aus der eigenen Tasche bezahlt.“ Aber sie ist überzeugt, dass sie „vieles davon“ zurückbekommen werde.

Sepp Peninger, 66 Jahre

EX-STEUERBERATER, ALPAKAZÜCHTER / AHORN IM MÜHLVIERTEL

Der Mühlviertler tauscht mit 65 Jahren Anzug und Krawatte gegen Stallgewand und Gummistiefel. Früher hat Sepp Peninger als Steuerberater mit Zahlen im Büro gearbeitet, jetzt sind es Tiere in der Natur. Bei einer Reise in Argentinien verliebt er sich in Alpakas: „Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Er hängt seinen Beruf als Steuerberater an den Nagel und verkauft seine Kanzlei. „Ich habe mit meiner Lebensgefährtin relativ spontan drei Alpakas gekauft“, erinnert er sich. Diese waren zuerst bei einem Züchter in der Nähe untergestellt. Als die Jungen auf die Welt kommen, wollen Sepp Peninger 
und Ingrid Friedl sie aber aufwachsen sehen: „Daher haben wir unsere Tiere neben unserem Wohnhaus auf zwei leeren Parzellen einquartiert.“ 2010 kauft sich das Paar dann einen alten Hof in Ahorn im Mühlviertel, renoviert diesen komplett und baut einen neuen Stall. Das Haus in Bad Leonfelden ist seit 2014 an den Nachfolger der Steuerberatungs-Kanzlei vermietet.

„Ich habe bis zum Verkauf meiner Kanzlei Spaß an der Arbeit gehabt“, erklärt Peninger. Seinem früheren Beruf trauert er aber nicht nach – er habe jetzt „eine neue Aufgabe“ gefunden. Einen Bezug zu Tieren hatten die beiden schon immer – es gab aber vorher nie die Möglichkeit, etwas mit Tieren zu machen. Peninger wäre nicht Peninger, hätte er nicht gleich einen Verein für österreichische Alpakazüchter, die Alpaca Association Austria, mitgegründet. In Österreich werden rund 2.500 Alpakas gehalten, für Peninger ist die Farm eigentlich nur ein Hobby. „Um wirklich Geld verdienen zu können, muss man eine große Zucht mit bis zu 70 Tieren betreiben“, sagt er.

Isa Stein, 41 Jahre

ARCHITEKTIN UND KÜNSTLERIN

Isa Stein hätte vieles in ihrem Leben auch einfacher haben können. Ihr Vater ist Eigentümer eines Architekturbüros, sie hat einen gut bezahlten Job. Doch statt den vorgezeichneten Weg zu gehen, zieht sie ihr eigenes Ding durch und betreibt mittlerweile erfolgreich ihr eigenes Architekturbüro in Linz . Dazu kommt ein großes Kunstatelier in Wien mit einem noch einmal so großen Schmutzbereich, wo es auch vorkommen kann, dass sie mit ihren Haaren malt – so auch beim Gemälde „VEIL P“ im Fotohintergrund. „Das sind Spuren, die ich mit den Haaren ziehe, mein Kopf ist der Pinsel.“

Die räumliche Trennung ist wieder ein Punkt, der auch einfacher gehen würde. „Für mich ist diese aber wichtig, das sind beides völlig andere Tätigkeitsbereiche. Die Architektur gibt mir persönlich Struktur, da steht der Diskurs in der Gruppe im Vordergrund und in der Kunst findet der Dialog mit mir selbst statt.“ Die Großstadt Wien bereichere auch durch die kulturelle Vielfalt – viel zu sehen sei für das eigene kreative Schaffen sehr bereichernd. Gesehen hat Stein schon einiges: mit einem Architekturstudium in Paris und Graz und einem Kunststudium in New York.

Das Individuellste an Stein ist laut eigener Einschätzung, dass sie ihren Instinkten folgt und ihren eigenen Weg geht: „Ich treffe oft Entscheidungen, die nicht auf Sicherheit gerichtet sind. Aber das sind Sachen, die spüre ich, die entscheide ich aus dem Bauch heraus und das muss dann einfach sein.“

ROLLENBILDER UND INDIVIDUALISIERUNG

Der Megatrend Individualisierung hängt eng mit der Veränderung des Rollenbildes zusammen. Es bilden sich vielfältige Lebensstile, die sich nicht mehr in die sozialen Geschlechterrollen einteilen lassen. Vor zwölf Jahren hat sich das Zukunftsinstitut (www.zukunftsinstitut.de) zum ersten Mal in einer großen Studie mit dem Megatrend Frauen und der Veränderung ihrer Rolle beschäftigt, nun gehen sie mit der Trendstudie Gender Shift einen nächsten Schritt. Denn die Wahl der eigenen Rolle wird immer individueller. Zukunftsforscherin Verena Muntschick nennt das Beispiel, dass etwa der Mann zu Hause bleibt und sich um die Kinder kümmert und damit eigentlich eine Frauenrolle einnimmt.

„Typische Männer- und Frauenrollen kann man nicht mehr beschreiben“, erklärt Muntschick den Trend vom Female Shift zum Gender Shift. Bei der Genderdiskussion habe man in der Vergangenheit auch auf die Männer vergessen, so Harry Gatterer, Trendforscher und Geschäftsführer des Zukunftsinstituts, bei einem Vortrag beim Frauen-Zukunftsforum.

Es ist ein langer, schleichender Prozess, der noch ein paar Jahrzehnte dauern wird, bis Geschlechterrollen tatsächlich keine Relevanz mehr haben werden. Dazu passe auch, dass aktuell der Feminismus wieder heiß diskutiert wird und man zum Teil versucht, bestimmte Frauen- und Männerrollen zu stärken und zurückzuholen. „Das ist ein Ausdruck davon, dass sich die sozialen Geschlechterrollen verändern“, erklärt Muntschick. Conchita Wurst ist ein Ausdruck des beobachteten Trends.

Dass Geschlechterrollen irgendwann überhaupt keine Relevanz mehr haben werden, glaubt Ulrike Rabmer-Koller, Landesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft Oberösterreich, nicht. „Ich bin sicher, dass sie auch weiterhin eine große Rolle spielen werden, es gibt unterschiedliche Zugänge von Frauen und Männern, darum bin ich auch eine Verfechterin von gemischten Teams, und dass Frauen und Männer in allen Bereichen gleichberechtigt miteinander arbeiten“, sagt sie. Individualität bedeutet für sie, kreativ zu sein und seine eigenen Talente zu leben, auch beruflich die eigenen Talente zu nützen. „Da gibt es noch einen weiten Weg“, sagt sie. Rabmer-Koller fordert eine Potentialanalyse, damit jeder Jugendliche seine Talente erkennen und sich dann dementsprechend am Arbeitsmarkt oder bei der Ausbildung danach orientieren kann.

„Derzeit weist unser Bildungssystem eher auf Schwächen hin anstatt Stärken und Talente zu fördern, das steht im Gegensatz zum Individualismus“. Der Anteil der unternehmerisch tätigen Frauen liegt in Österreich bei 35 Prozent. Warum verwirklichen sich Männer deutlich öfter selbst im Beruf als Frauen? „Das hängt meist mit einer schlechten Vereinbarkeit von Familie und Beruf zusammen“, sagt Rabmer-Koller. Während Frauen bei Matura- und Studienabschlüssen vor Männern liegen, würden sie nach der Familiengründung oft zurückfallen. In Oberösterreich liegt der Anteil weiblicher Unternehmer jedoch schon bei 45 Prozent, bei den Neugründungen sind es sogar 47 Prozent. Warum ist hier der Schnitt viel höher? „Vielleicht auch wegen der Vorbildfunktion der Frauen, die bereits erfolgreich sind“, sagt Rabmer-Koller. Solche Frauen zeichnet „Frau in der Wirtschaft“ aus - einmal pro Monat wird eine „Unternehmerin des Monats“ in den Mittelpunkt gestellt.

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Gleich mal vorweg: Nein, Frauen sind nicht die bessere Hälfte. Sie sind aber auch nicht die schlechtere. Darin sind sich all unsere sieben Interviewpartnerinnen einig. Sieben deshalb, weil ihre unterschiedlichen Geschichten zeigen: Weiblichkeit hat nicht die eine Rolle. Und auch nicht das eine Gesicht. Ob geschminkt oder ungeschminkt, im Rock oder in der Hose, Mutter oder Nichtmutter, stark oder schwach (oder beides), im Chefsessel oder hinterm Herd (oder beides) – Frauen sind auch nur Menschen. Ja, eben. Menschen. Wie Männer. Also warum reden wir eigentlich noch darüber? Reden wir darüber.

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Die bessere Hälfte - Karin Reiter und Margit Angerlehner

Gleich mal vorweg: Nein, Frauen sind nicht die bessere Hälfte. Sie sind aber auch nicht die schlechtere. Darin sind sich all unsere sieben Interviewpartnerinnen einig. Sieben deshalb, weil ihre unterschiedlichen Geschichten zeigen: Weiblichkeit hat nicht die eine Rolle. Und auch nicht das eine Gesicht. Ob geschminkt oder ungeschminkt, im Rock oder in der Hose, Mutter oder Nichtmutter, stark oder schwach (oder beides), im Chefsessel oder hinterm Herd (oder beides) – Frauen sind auch nur Menschen. Ja, eben. Menschen. Wie Männer. Also warum reden wir eigentlich noch darüber? Reden wir darüber.

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Gleich mal vorweg: Nein, Frauen sind nicht die bessere Hälfte. Sie sind aber auch nicht die schlechtere. Darin sind sich all unsere sieben Interviewpartnerinnen einig. Sieben deshalb, weil ihre unterschiedlichen Geschichten zeigen: Weiblichkeit hat nicht die eine Rolle. Und auch nicht das eine Gesicht. Ob geschminkt oder ungeschminkt, im Rock oder in der Hose, Mutter oder Nichtmutter, stark oder schwach (oder beides), im Chefsessel oder hinterm Herd (oder beides) – Frauen sind auch nur Menschen. Ja, eben. Menschen. Wie Männer. Also warum reden wir eigentlich noch darüber? Reden wir darüber.

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