Und es geht doch anders.

Billiger geht immer. Unter diesem Motto produzieren viele Textilfirmen und wandern seit Jahren weiter ab – nach China und Indonesien geht es nun weiter Richtung Afrika. Dass es auch anders geht, beweist der Innviertler Sportmodehersteller Löffler seit über 40 Jahren. Wie, das erzählt Geschäftsführer Otto Leodolter bei einem Besuch am Firmensitz und Produktionsstandort in Ried im Innkreis.

Schnellen Schrittes eilt Otto Leodolter, Geschäftsführer des Sportmodeherstellers Löffler, sportlich gekleidet in Jeans und Poloshirt bei der Tür herein. Und entschuldigt sich für seine kleine Verspätung: Die Besprechung mit dem ÖSV über die Bekleidung für die nächste Wintersaison habe ein bisschen länger gedauert. Auf die Frage, ob soweit alles besprochen wurde, weil das Interview nicht schuld sein soll, dass das nordische Team des Österreichischen Skiverbandes für die Saison 2019/20 möglicherweise nicht perfekt ausgestattet wird und der Geschäftsführer unzufrieden ist, antwortet Leodolter lachend, dass diesbezüglich keine Gefahr bestehe. Mit dem Wort „zufrieden“ ist Leodolter aber vorsichtig: „Zufrieden darf man nie sein, das bedeutet zurücklehnen – man muss immer den Drang nach vorne haben, in Bewegung bleiben und entsprechend auf den Markt reagieren.“

Der Mitbewerb in der Sportmodebranche ist groß. Der Premiumhersteller Löffler unterscheide sich von der Konkurrenz durch eine hohe Wertschöpfungskette von 80 Prozent in Österreich. Viele Stoffe werden am Firmenstandort in Ried im Innkreis mit 200 Mitarbeitern selbst gestrickt. „Wir sind nicht nur eine Marke, sondern auch Hersteller. Das können nicht viele Mitbewerber von sich behaupten und das ist auch einer unserer Erfolgsfaktoren“, sagt Leodolter über das kontinuierliche Wachstum des Unternehmens in den vergangenen Jahren. 1973 wurde Löffler vom Skiproduzenten Fischer übernommen und auf Sportbekleidung ausgerichtet. Die ersten zwei Jahre unter dem neuen Eigentümer schrieb man rote Zahlen – danach gab es laut dem Unternehmen kein einziges Jahr mehr mit einer negativen Bilanz. Von den Eigentümern gebe es ein klares Commitment zum Standort Österreich. Ganz ohne Partnerbetriebe im Ausland würde es aber nicht gehen: Sieben bis acht Lohnpartner in Bulgarien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn erledigen Näharbeiten und in Bulgarien hat Löffler seit knapp sieben Jahren eine Tochterfirma mit aktuell 87 Mitarbeitern. Die Textilproduktion sei mit vielen unterschiedlichen Arbeitsschritten sehr aufwendig und in Österreich habe man dazu nicht die notwendigen Kapazitäten. So könne man etwa nur im beschränkten Maße wasserdichte Jacken, bei denen die Nähte zusätzlich verschweißt werden, herstellen. Die Digitalisierung habe die Produktion nicht wesentlich beeinflusst, es sei keine zu automatisierende Produktion: „Der Nähprozess hat sich im Großen und Ganzen nicht verändert. Wir sind von menschlichen Arbeitskräften abhängig und unsere größte Herausforderung in Österreich ist, unseren aktuellen Mitarbeiterstand halten zu können.“ Im Innviertel gebe es de facto Vollbeschäftigung, dementsprechend hart sei der Wettbewerb um Mitarbeiter mit den anderen Betrieben.

Bessere Planung

Die Digitalisierung verändere aber jedenfalls andere Bereiche des Unternehmens und helfe, Kosten zu sparen. Leodolter nennt Planung, Entwicklung sowie Vertrieb, wo das Thema schon stärker Einfluss genommen habe und dies auch noch weiter tun werde. „Es beginnt damit, dass wir vom Markt Informationen über die Verkaufszahlen bekommen und diese in unsere Planung reinspielen“, erklärt Leodolter einen Bereich der Digitalisierung, in dem die Textilindustrie im Vergleich zu anderen schon wesentlich weiter sei. Denn schließlich gebe es pro Saison ein Sortiment von rund 350 Artikeln, bei denen man mit den unterschiedlichen Größen und Farben auf rund 5.000 Artikel kommt, zu organisieren. Als zukünftige Projekte nennt Leodolter 3D-Entwicklungen und eine neue Lagerlogistik. Man wolle noch lieferspezifischer produzieren und schneller auf Kundenbestellungen reagieren können – aktuell verspricht man die Lieferung an den Fachhändler innerhalb von 24 Stunden. Mit 3D-Entwicklungen wolle man in ein bis drei Jahren die einzelnen Teile eines Kleidungsstückes auf dem Bildschirm zusammensetzen und sich die Fertigung von Prototypen sparen. In einem weiteren Schritt könne man den Vertretern die 3D-Darstellungen für die Präsentation beim Fachhandel mitgeben und spare sich wiederum sämtliche physische Kollektionen.

Löffler produziert ausschließlich in Europa, während die Textilbranche immer weiterwandert und noch billiger produzieren lässt. „Die Konkurrenz verkauft zu Preisen, zu denen wir nicht einmal die Materialien einkaufen können.“ Die Lohnkosten seien in Ried 100 Mal so hoch wie etwa in Bangladesch, im Vergleich zum Tochterwerk in Bulgarien etwa 30 Mal so hoch. In den osteuropäischen Ländern würden sie ein wenig steigen – zuletzt am stärksten in Tschechien, wo die Kosten mittlerweile halb so hoch wie in Österreich seien. „Der Anstieg geht aber bei weitem nicht so schnell wie erhofft“, wünscht sich Leodolter eine raschere Angleichung. Was die hohen Lohnkosten in Österreich betrifft, gibt es vom Löffler-Chef im Unterschied zu vielen anderen aber keinen Appell für eine Senkung: „Das ist der falsche Ansatz, wir leben in einem super Sozialstaat und das hat seinen Preis. Wir sollten uns stattdessen darauf besinnen, wieder bewusster einzukaufen, und damit die europäische Produktion stärken.“ Leodolter plädiert für ein Umdenken: In den vergangenen Jahren hätte sich die Verteilung der Ausgaben völlig geändert, so sei es heutzutage etwa ganz normal, dass bereits Kinder einen Handytarif um bis zu 20 Euro im Monat haben. Jeder Haushalt gebe bis zu 100 Euro für Medien aus und versuche gleichzeitig, seinen Wohlstand zu halten, indem alles andere – von den Lebensmitteln bis zur Kleidung – möglichst günstig eingekauft wird. Den Trend zur Nachhaltigkeit und zu Produkten aus Österreich sieht Leodolter nur bedingt: „Viele Leute sprechen zwar davon, aber am Schluss entscheidet meist nur der Preis.“ Neben dem Preisdruck bringt die Abwanderung der Textilbranche für Löffler die Schwierigkeit, dass nicht mehr alle Stoffe in Europa verfügbar sind. Die Vorlieferanten ziehen mit den Produktionsstätten mit. Konkret gebe es Laminate, die speziell für den Regenschutz verwendet werden, nur mehr in Asien.

„Die Konkurrenz verkauft zu Preisen, zu denen wir nicht einmal die Materialien bekommen.“

Otto Leodolter Geschäftsführer, Löffler

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